Der Schellbruch ist eine Niederung der Untertrave. Gelegen zwischen den Ortsteilen Karlshof, Israelsdorf und Gothmund ist es mit 146 Hektar ungefähr so groß wie die Lübecker Altstadtinsel. Im Zentrum des NSG liegen die Wasserflächen der Großen Lagune und der Gothmunder oder Kleinen Lagune, die durch den Treidelstieg entlang der Trave von dieser getrennt sind.
Das NSG umfasst viele naturnahe Lebensräume von europäischer Bedeutung, insbesondere Gewässer. Auf engstem Raum liegen Trave, Lagunen, Bach, Süßwasserteiche, Gräben, Tümpel und zeitweilig überschwemmte Wiesenflächen nebeneinander. Das Gebiet weist die größten zusammenhängenden Schilfflächen Lübecks auf, die wichtige Überwinterungsquartiere für Insekten und Vögel sind. Etwa 90 Brutvogelarten - darunter weniger häufige Arten wie Blaukehlchen oder Bartmeise – finden Nahrung, Deckung und Nistmöglichkeiten im NSG. Übers Jahr werden zwischen 160 und 180 Vogelarten im Schellbruch festgestellt, bisher wurden über 250 Arten nachgewiesen.
Noch bis in das 19. Jahrhundert hinein war der Schellbruch großflächig von Bruchwäldern bedeckt. Später weideten Bauern hier ihr Vieh oder mähten Gras. Zu seiner heutigen Gestalt entwickelte sich das Gebiet ab etwa 1960, als die Grünlandnutzung teilweise wieder aufgegeben wurde und sich Schilfröhrichte ausbreiteten. Begünstigt durch den Ausbau der Untertrave entstanden große Wasserflächen.
Dem Vogelparadies Schellbruch drohte Ende der 1960er Jahre die Zerstörung. Dämme wurden gezogen, um das Gebiet mit Schlamm zu überspülen. Massiver Widerstand der Bevölkerung und Verbände brachten die Pläne zu Fall. 1981 wurde die Ausweisung als Naturschutzgebiet erreicht. Heute ist der Schellbruch Teil des europaweiten Netzwerkes » Natura 2000« und umfasst die nach der (FFH) Fauna-Flora-Habitat- sowie der Vogelschutz-Richtlinien geschützte Flächen innerhalb der Europäischen Union.
Der Schellbruch ist der Arbeitsbereich der »AG Schellbruch« des NABU Lübeck.
Hier werden folgende Aufgaben seit nunmehr über 50 Jahren durchgeführt:
• Kartierung der Brutvogelarten und Ermittlung der Durchzügler, Nahrungsgäste und Überwinterer
• Führungen für Gruppen und Information der Besucher
• Eulenschutz
• Eulenwanderungen
• Beringung von Uhus, Wanderfalken u.a.
• Nistkastenreinigung
• Entwicklung des Gebietes, zum Beispiel Erweiterung des Salzgrünlandes
• Brutfloßbau und -reinigung
• Müllsammeln bei der Aktion »Sauberer Schellbruch«
Die AG Schellbruch hat am »Europaweiten Bartmeisen Beringungsprogramm« teilgenommen. Ergebnisse der Untersuchungen dienten vor allem dem Artenschutz sowie dem Artenhilfsprogramm. Die Auswertung der Daten erfolgte an der Vogelschutzwarte Rietzer See. Initiator des Programmes war das Landesumweltamt Brandenburg, Staatliche Vogelschutzwarte Rietzer See, Boichstrasse 9, 14778 Schenkenberg
Ansprechpartner der Schellbruch AG:
Hermann Daum Tel. 0451-864443
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Als Teil des europäischen Vogelschutzgebietes »Traveförde und angrenzende Gebiete« ist der Schellbruch ein wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet für viele nordische Zugvögel.
Zu den Zug und Überwinterungsgästen gehören vor allem: Tundrasaatgänse, Blässgänse, Kurzschnabelgänse, Weißwangengänse und Bergpieper. Auf den Wasserflächen lassen sich Säger- und Entenarten, z.B. Zwergsäger, Pfeif-, Reiher- oder Schellenten beobachten.
Zudem kann man in der Zugzeit viele Watvögel beobachten, wie Bekassinen, Strandläufer, Wasserläufer und Regenpfeifer, die sich im Flachwasser und auf den Schlammbänken der Lagune zum Rasten und zur Nahrungssuche aufhalten.
Mit sehr viel Glück kann man im Schilf auch mal eine Rohrdommel entdecken.
Seit einigen Jahren überwintern immer mehr Vögel in Mitteleuropa und ziehen nicht mehr bis in ihre angestammten Winterquartiere. Das veränderte Zugverhalten wird von vielen Wissenschaftler:innen auf die weltweite Erwärmung zurückgeführt. So können Sie hier im Schellbruch manchem Zuggast auch im Winter begegnen.
Im Frühling und Sommer kann man im Schilf verschiedene Rohrsänger, Bartmeisen, Neuntöter, Schwirle und Blaukehlchen beobachten und hören. Auch Hauben-, und Zwergtaucher sowie verschiedene Entenarten brüten im Schellbruch. Außerdem kann man, dank der Brutinseln, Flussseeschwalben und verschieden Möwenarten beobachten. Man sieht zudem verschiedenste Schwalbenarten an den fischreichen Gewässern.
Auch Greifvögel sind zu unterschiedlichen Jahreszeiten anwesend:
Fischadler, Mäusebussard, Rotmilan, Sperber, Habicht, Wespenbussard sowie Korn- und Rohrweihe.
Ganzjährig sind Bartmeisen, Rohrammern, Seeadler, Eisvögel, Kraniche, verschiedene Rallen-, Reiher, Specht-, Sing- und Entenarten zu bewundern, um nur einen kleinen Teil der Bewohner zu nennen.
Es gibt im Schellbruch nicht nur seltene Vogelarten zu beobachten, sondern auch seltene Pflanzen zu bewundern, z.B. verschiede Orchideen und Feuchtwiesenpflanzen. Es gibt eine große Menge an Insektenarten, von Bienen über Falter und Libellen. Auch kann man Amphibien wie z.B. den Moorfrosch und Reptilien wie z.B. eine Waldeidechse entdecken.
Das Naturschutzgebiet »Schellbruch« bietet allen Besucherinnen und Besuchern die unvergleichliche Möglichkeit, sich zu erholen und gleichzeitig stadtnah eine intakte Natur und Umwelt zu erleben. Das Gebiet ist ein Vogelparadies, in dem Sie natürliche, unverbaute Lebensräume sowie seltene Tier und Pflanzenarten beobachten können.
Damit dies auch in Zukunft so bleibt, bitten wir um Ihre Mithilfe:
• Respektieren Sie einschränkende Maßnahmen und Regeln.
• Bitte bleiben Sie auf den ausgewiesenen Wegen, führen Sie Ihren Hund immer an der kurzen Leine. Verhalten Sie sich ruhig, um störungsempfindliche Vogelarten und Pflanzenbestände nicht zu beeinträchtigen. Schon die einmalige Störung, z.B. durch einen neugierigen Hund, kann bedeuten, dass eine Feldlerche ihre Jungen verlässt oder ein Kiebitz aufhört, seine Eier zu bebrüten.
• Umsichtiges und verantwortungsvolles Verhalten in der Natur sollte eine Selbstverständlichkeit sein, damit Sie und Ihre Kinder sich auch in Zukunft hier noch erholen können.
Das Naturschutzgebiet Schellbruch ist durch verschiedene Faktoren stark gefährdet:
Negative Einflüsse durch die Umgebung:
Im Schellbruch wird seit einigen Jahren Biolandwirtschaft betrieben, damit sind eigentlich für das »NSG« gute Voraussetzungen für Fauna und Flora geschaffen.
Aber das NSG bildet eine ökologische Insel, denn in der Umgebung des Schellbruchs sind nur noch wenige intakte Ökosysteme zu finden. Die Trockenlegung von Feuchtwiesen, der Verlust von Brach- und Blühflächen und die Intensivierung der Landwirtschaft (Überdüngung, Einsatz von Pestiziden) beeinflussen den Schellbruch negativ. Bodenlebewesen leiden an Nahrungsmangel oder werden vergiftet. Das führt wiederum bei Vögeln wie dem Kiebitz zu Nahrungsmangel in unwirtlichen Zonen.
Es gibt nur noch ein Kiebitzpaar im Schellbruch, das jedes Jahr im Schellbruch brütet. Wenn die Vögel ihr Lebensalter erreicht und sie es nicht geschafft haben, genügend Nachwuchs zu großzuziehen, die sich mit Kiebitzen aus umliegenden Gebieten verpaaren können, sterben sie im Schellbruch aus. Seit 1980 hat sich der Bestand der Kiebitze um 93% verringert, davon 65% allein im Zeitraum von 1998 bis 2022. Der Kiebitz ist jetzt auf der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft.
Störungen im Brutgebiet:
Haubentaucher, Bartmeisen, Rohrsänger, Enten und andere Arten sind auf ungestörte Schilfbestände angewiesen. Wildschweine, Waschbären und Nutria zerstören in großem Umfang das Schilf und damit die Brutmöglichkeiten. Freilaufende Hunde und Freizeitaktivitäten gefährden zusätzlich die Vogelwelt.
Vertiefung der Trave:
Von 1961 bis 1982 wurde die Trave von 8,50 Meter auf 9,50 Meter vertieft. Seitdem sind Abrisse an der Schilfkante zu beobachten, die durch den Sog und Schwall der Schifffahr und durch vermehrte Hochwasserereignisse hervorgerufen werden.
Zum Schutz des Gebiets ist es essenziell, die strengen Naturschutzregeln einzuhalten, Störungen zu vermeiden und den Wasserhaushalt zu erhalten.